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Umstrittene Planung in Glowe auf Rügen
Eine Investorengruppe plant
auf dem Gelände des ehemaligen "Rügen Radio" in Glowe
in unmittelbarer Ostseenähe mit Unterstützung der Gemeinde und des
Landes MV die Errichtung eines Delfinariums.
In einer Kureinrichtung sollen Delfin-Therapien angeboten
werden. 5 Delfine sind dafür vorgesehen. Aller Voraussicht
nach handelt es sich bei den Tieren,
die international einem hohen Schutzstatus unterliegen, um
Große Tümmler.
In einem Amphitheater mit 1500 Plätzen bzw. in einem
Hallenbecken mit 400 Plätzen sind zudem ganzjährig Delfinvorführungen
mit den selben Tieren als Touristenattraktion geplant.
Ein Hotelbereich für Tagungen und Wellness gehört ebenfalls
zum Projekt.
20 nationale und
internationale Walschutzorganisationen, Tier- und Naturschutzverbände haben
ihre Bedenken zu diesem Vorhaben in einer gemeinsamen
Stellungnahme formuliert. Angesichts der völlig ungeeigneten
Vorraussetzungen in dieser Region fordern sie den Verzicht auf
den Einsatz der stark gefährdeten Delfine und ggf. die
Umorientierung auf andere Tiertherapieformen.
Information zum
Fachgespräch Delphintherapie am 28.06.07 in Berlin

Protestaktion gegen den Bau eines Delfinariums
in Glowe auf Rügen
Seit Mitte
2005 bemühen sich vier Firmen unter Regie der Nature
Project GmbH Westerland/Sylt, auf dem Gelände des ehemaligen
Rügenradios in Glowe einen Meerespark mit Delfinarium und eine
Kureinrichtung „DelphiMar“ mit Delfintherapie zu errichten.
Als Reaktion darauf organisierten die Wal- und
Delfinschutzorganisation WDCS und der Naturschutzbund NABU
Rügen am Freitag, dem 21.07.2006, gemeinsam mit anderen Natur-
und Tierschutzorganisationen wie PETA, Delphinbefreier, TIRM
und Meer e.V. einen informativen Strandspaziergang am Strand
von Glowe.
Die Delfinfreunde werden Besucher und Touristen aktiv
ansprechen, um über das geplante Vorhaben zu informieren und
auf die damit verbundene weder tier- noch artgerechte Haltung
von Delfinen aufmerksam zu machen. Auf mögliche alternative
Tiertherapieformen soll hingewiesen werden.
Den Verbänden war wichtig, die Meinung der Urlauber zu
erfahren. Es wurden Unterschriften gegen die
Gefangenschaftshaltung der Meeressäuger gesammelt.
„In Deutschland wurden bereits 5 von 9 Delfinarien geschlossen
und durch den aktuellen Tod des Delfins "Daisy", dessen Baby
und eines weiteren Jungtieres im Tiergarten Nürnberg wurde uns
wieder einmal vor Augen geführt, dass Delfine in Deutschland
nicht erfolgreich in Gefangenschaft gehalten werden können!“
begründete Dr. Karsten Brensing von der WDCS den Widerstand
gegen das geplante Vorhaben. Die Befürworter des Delfinariums
würden Wirtschaftswachstum prophezeien. Leider blieben
internationale Erfahrungen unberücksichtigt und Risken würden
ignoriert.

Pressemitteilung,
der WDCS und des
Naturschutzbund NABU Rügen
80% der Besucher von Glowe gegen den Neubau
eines Delfinariums auf Rügen
Vertreter der Natur- und
Tierschutzorganisationen WDCS, Naturschutzbund NABU, PETA,
Delfinbefreier, TIRM e.V., Meer e.V., BUND, von des B 90/DIE
GRÜNEN und Urlaubsranger des AVR Familyclubs Göhren erkundeten
am Freitag, dem 21.07.2006, in der Zeit von 12 Uhr bis 15:30
Uhr während eines
informativen Strandspazierganges die Position
der Gäste der Gemeinde Glowe zum geplanten Neubau eines
Delfinariums in diesem Urlaubsort. Ausgerüstet mit
Informationsmaterial diskutierten sie mit rund 550
Strandbesuchern über die gravierenden Probleme bei der
Delfingefangenschaftshaltung in unseren Breiten, speziell in
Deutschland und erfragten die Meinung der Touristen.
Es stellte sich heraus, dass sich mehr als 80% (82,4%)
der Besucher gegen den Bau des Delfinariums aussprechen.
Nachdem eine wissenschaftlich
begründete Stellungnahme von mehr als 20 Natur- und
Tierschutzverbänden gegen den Bau eines neuen Delfinariums zu
keiner öffentlichen Positionierung geführt hat, werden nun
erneut die politischen Entscheidungsträger aufgefordert, ihre
Position zu bedenken, Alternativen zu unterstützen und sich
öffentlich von dem Vorhaben der Delfinhaltung zu distanzieren.
Die Unterschriften wurden am
28. September 2006 im Rahmen der ersten Sitzung des Rügener
Kreistages nach der Sommerpause offiziell an die Präsidentin
des Kreistages, Gisela Lemke und die Landrätin des Landkreises
Rügen, Kerstin Kassner, übergeben.
Mehr
Informationen:
WDCS, Dr.
Karsten Brensing
Tel.:+ 49 30 39828583, Mobil:+ 49 176 22675679; E-Mail:
karsten.brensing@wdcs.org
Eine gemeinsame Stellungnahme von mehr als 20 Organisationen
beinhaltet Argumente und Kritikpunkte zum geplanten Bau des
Delfinariums:
www.wdcs-de.org
Fotos der Aktion
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Abstimmung vor dem Start
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Delfinfreunde bei der Urlauberbefragung
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Urlauber unterschreiben gegen das
Delfinarium.
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Bei der Diskussion mit Strandbesuchern
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Infoblatt
vom Juni 2006,
ausgeteilt an die
Einwohner der Gemeinde Glowe
Liebe Bürger der Gemeinde
Glowe und Einwohner von Rügen,
wie
Sie sicher bereits auf Gemeindeveranstaltungen oder aus der
Presse erfahren haben, ist in Glowe der Bau eines Delfinariums
geplant. Dieses Vorhaben stößt auf erhebliche Kritik von
Seiten einer großen Zahl von Natur- und Tierschutzverbände und
so haben sich 24 Verbände (*) in einer detaillierten
Stellungnahme dagegen ausgesprochen. Keiner dieser Verbände
möchte sich einer ökonomisch, ökologisch und sozial
ausgewogenen Entwicklung der Region entgegenstellen. Aus
diesem Grund möchten wir hiermit einige für Sie wichtige
Aspekte aufzeigen.
Neben umstrittenen Show-Programmen ist eine Kernidee des
Delfinariums das Angebot von Schwimmprogrammen mit Delfinen.
Dabei soll speziell Kindern mit verschiedenen Krankheiten
durch die so genannte Delfintherapie geholfen werden. Gerade
dieser Ansatz birgt aber eine ganze Reihe von unkalkulierbaren
Risiken für den kommerziellen Erfolg der Anlage und somit auch
für die Gemeinde und ihre Bewohner.
Liegt
Delfintherapie im Trend?
Obwohl diese
Form der Therapie seit mehr als zwei Jahrzehnten angewendet
wird, gibt es derzeit noch keinen wissenschaftlichen Beleg
dafür, dass die Therapie mit Delfinen erfolgreicher ist als
die mit anderen Tieren. Was geschieht, wenn in Deutschland der
Trend vorbei ist?
Ist
Delfintherapie für Menschen risikolos?
Grundsätzlich
birgt jede Interaktion mit einem Tier ein gewisses
Verletzungsrisiko. Das Risiko ist gering, wenn es sich um
Tiere handelt, die seit Generationen mit dem Menschen
zusammenleben (zum Beispiel Pferde und Hunde) und steigt, wenn
es sich um Tiere handelt, die sich erst seit kurzem in
menschlicher Obhut befinden. Entgegen der landläufigen
Meinung, dass Delfine immer freundlich sind, lächeln und die
Nähe zu uns Menschen suchen, handelt es sich bei Delfinen
tatsächlich um Raubtiere, die meistens aus der freien Wildbahn
entnommen wurden. Für diese Tiere bedeutet die nahe
Interaktion mit Menschen wahrscheinlich Stress und so wurde in
vielen wissenschaftlichen Studien bereits auf aggressives
Verhalten dem Menschen gegenüber aufmerksam gemacht. Diese
Beobachtungen wurden in den vergangenen Jahren durch Unfälle,
bei denen es von leichten Bissverletzungen bis hin zu
Rippenbrüchen kam, bestätigt.
Delfine verständigen sich teilweise mittels ihrer Fäkalien.
Dies bedeutet, dass sie in sehr kurzen Abständen
Ausscheidungen ins Wasser abgeben. Ein mit Fäkalien
verunreinigtes Wasser entspricht jedoch nicht den für Menschen
notwendigen Hygienemaßstäben. Darüber hinaus besteht in der
Enge der Bassins und dem relativ geringen Wasservolumen
tatsächlich das Risiko von Ansteckungen.
Sollten sich diese Erkenntnisse verbreiten, ist es durchaus
fraglich, ob so viele Menschen bereit sind, an der
vergleichsweise teuren Delfintherapie teilzunehmen. Obwohl die
genannten Risiken den Betreibern bekannt sind, werden sie
ignoriert und den Entscheidungsträgern in Politik und
Verwaltung vorenthalten.
Fördert
das Delfinarium das Image der Gemeinde Glowe bzw. der Insel
Rügen?
Ein
wesentlicher Aspekt sind die möglichen negativen Auswirkungen
auf das Image der Insel Rügen. Die Haltung von Delfinen wird
in vielen Ländern als nicht mehr zeitgemäß angesehen. So
wurden beispielsweise in England alle der einstmals 30
Delfinarien geschlossen, in Deutschland gibt es nur noch vier
der ursprünglich einmal neun Anlagen.
Es sei auch erwähnt, dass die Betreiber anfänglich versucht
haben, ihr Projekt auf Sylt zu realisieren. Sollte es
tatsächlich zum Bau der Anlage kommen, wäre es schwer
abzusehen, wie dies aufgenommen würde. Die Tatsache, dass sich
praktisch alle bedeutenden und mitgliederstarken deutschen
Natur- und Tierschutzorganisationen gegen dieses Vorhaben
ausgesprochen haben, zeigt deutlich, dass ein erhebliches
Widerstandspotential in Deutschland vorhanden ist.
Den Bürgern der Gemeinde, den Bewohnern der Insel und den
Entscheidungsträgern wird von den Verbänden empfohlen, sich
auf andere, im Ergebnis vergleichbare Tiertherapieformen zu
orientieren, damit die Idee einer sinnvollen Nachnutzung eines
derzeit brachliegendes Geländes nicht wie die „touristischen
Luftschlösser“ auf dem Bug einer Seifenblase gleich zerplatzen
sollen.
Rügen, im
Juni 2006
p. s.: Weitere Informationen bekommen Sie unter
www.wdcs-de.org
oder von Dr.
Karsten Brensing, WDCS; Tel: 089 6100 2393
(*) Aktionsgemeinschaft Artenschutz, Animal Public, BUND,
Bundesverband Tierschutz, bund gegen missbrauch der tiere,
Care for the wild, Delfinbefreier, Greenpeace, GSM, IFAW,
Insula Rugia,
M.E.E.R., Menschen für Tierrechte, NABU, Oceancare, Peta,
Project blue Sea,
PRO WILDLIFE, Tierschutzbund, Vier Pfoten, WDCS,
WSPA,
WWF
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| Ostseezeitung,
05.06.2007 : |
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Pressemitteilung der Verbände : |
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Mai 2006 |
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| Stellungnahme
der Verbände : |
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| Anlagen zur
Stellungnahme : |
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| Ostseezeitung,
17.12.05 : |
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