Vogelwelt am Wasser
Mit nur ca. 50 km
Durchmesser, aber fast 600 km Uferlinie ist Rügen ein Dorado
insbesondere für ans Wasser gebundene
Vögel. Die Insel liegt im Brennpunkt
von vier europäisch und international "Bedeutenden
Vogel-Gebieten" (IBAs) mit ca. 2,5 Mio. Vögeln jährlich!
Für interessierte Beobachter – insbesondere
„Noch-nicht-Profis“ – bieten die folgenden Ausführungen in
sehr geraffter Form ein paar Tipps zu:
WAS - WANN - WO
?
1. Häufig zu beobachtende/bemerkenswerte
Arten
(* im IBA-Rahmen von Bedeutung)
2. Günstige Beobachtungsorte/-gebiete
Außenküste (besonders im Winterhalbjahr)
Von den Tauchern sind Pracht- und Sterntaucher ganz auf die Außenküste beschränkt.
Hauben- und Rothalstaucher sind im Winterhalbjahr an die Außenküste
gebunden.
Von den Enten sind Samt-, Trauer- und Bergente ganz, Eis- und Schellente fast
ganz auf die Außenküste beschränkt, Stock- und Schellente sind im Winterhalbjahr
auch hier häufig.
Von den Möwen sind ganzjährig Mantel-, Silber-, Sturm- und Lachmöwe häufig
vertreten; in eisfreien/ warmen Wintern ist es auch der Kormoran.
Günstige Beobachtungsorte/-gebiete, die mit dem öffentlichem Nahverkehr und
PKW gut zu erreichen sind, u.a.:
- Göhren: Seebrücke und Strand bis Nordperd bzw. Baabe
- Sellin: Seebrücke
- Binz: zwischen Seebrücke und Silvitzer Ort
- Prora/ Neu Mukran: Strand
- Glowe: Hafen und Strand Königshörn
- Schaabe-Strand (mehrere Parkplätze): Seetaucher
- Tromper Wiek: Goor/ Arkona/ Gellort (Parkplatz Putgarten). Besonders
Möwen sind an Häfen und Urlauberstränden ganzjährig sehr gut zu beobachten.
Binnenbodden
Blessralle häufig.
Säger und Schwäne häufiger als an der Außenküste; Zwergsäger meist auf die
Bodden beschränkt.
Berg-, Trauer-, und Eiderenten fehlen auf dem Bodden;
Pfeif-, Stock-, Schell-, und Reiherente besonders im Winterhalbjahr häufig, im eisfreien
Wintern regelmäßig auch der Kormoran.
Günstige Beobachtungsorte/-gebiete, die mit dem öffentlichem Nahverkehr und
PKW gut zu erreichen sind, u.a.:
- Lauterbach (Hafen und Goor, Ufer): besonders zahlreich Gänsesäger
- Lietzow (Schleuse und Semper Ufer)
- Glowe (Schaabe Boddenufer)
- Wittower Fähre (Hafen) und Ufer nördlicher Poggenhof (Rassower Strom);
besonders Schwäne, siehe auch unter „besondere Arten“
- Rothenkirchen/Priebowsche Wedde, siehe unter „besondere Arten“
Nonnensee
Der Nonnensee ist eine Besonderheit im Rahmen der rügener Gewässer. Nur 75 ha groß, sind
in den letzten 10 Jahren schon über 80 an Freiwasserflächen gebundene Vogelarten nachgewiesen
worden. Alle für die Binnenbodden genannten Enten- und Taucherarten sind hier vertreten.
Der See ist Graugans-Mauserplatz (der bedeutendste des Landes!) und beherbergt eine
nur auf Steinwurfweite vom bequemen Rundwanderweg (2 Aussichtstürme) entfernte Kormoran-
Kolonie – ein Wasservogelgebiet quasi „zum Anfassen“, in dem täglich der Seeadler jagt,
trotz PKW-Parkplatz unweit des Ufers!
3. Besondere Arten
Als „besondere“ Arten seien hier genannt Gänse, Kormoran, Kranich und Seeadler.
Graugänse brüten verschiedentlich auf Rügen, am Nonnensee ca. 5 Paare.
Zur Mauserzeit sind hier über 1.000 Exemplare gleichzeitig zu beobachten.
Zum Spätsommer/ Herbst ist Tankow auf Ummanz ein gutes Beobachtungsgebiet;
Hier ist die Udarser Wiek besonders zur Herbstzugzeit auch ein bedeutender Rast- und
Schafplatz für Kanada-,
Saat- und
Blessgänse, zum Teil auch
Nonnengänse.
Kormorane sind im Sommerhalbjahr an allen oben genannten Außen- und Boddenküsten
zu beobachten, in eisfreien Außenküsten-Wintern nahezu überall, wo Steine oder
Buhnen aus dem Wasser ragen.
Der Kranich brütet seit ca. 2001 auf Rügen; zur Herbstzugzeit ist er hier eine Europa-
Attraktion. Die Äsungsflächen richten sich nach den Feldfrüchten, erste Wahl sind
Maisfelder. Der bedeutendste Schlafplatz auf Rügen ist die Udarser Wiek bei Tankow,
wo Kraniche schon ab dem Spätnachmittag zu beobachten sind.
Der dem Kranich nur beim ersten Blick etwas ähnliche
Graureiher ist überall, am besten
jedoch an der Lietzower Schleuse und am Nonnensee zu beobachten.
Der Seeadler schließlich ist auf Rügen mit mehreren Brutpaaren vertreten. Bequemste
und zuverlässigste Beobachtungsmöglichkeiten im Sommerhalbjahr: Am Nonnensee
und bei Tankow/Ummanz. Im Winterhalbjahr gibt es Zuzug aus Nord- und Osteuropa.
Bei vereisten Boddengewässern ist optimale Beobachtung an der noch eisfreien Fahrwasserrinne
im Rassower Strom zwischen Wittower Fähre und Seehof (nördlich Poggenhof)
gegeben: bis zu 60 Seeadler
4. Soviel zum WAS – WANN – WO
abschließend ein paar Tipps – wieder nur für „Noch-nicht-Profis“ zum
WIE
Nötig sind: eine Rügenkarte, ein Fernglas u. ein Vogelbestimmungsbuch.
Die Karte
Am besten geeignet ist die Rad- u. Wanderkarte Rügen 1: 50.000 vom STUDIO VERLAG
oder die Wander- und Radwanderkarte Rügen 1: 75.000 vom Nordland-Verlag. Beide sind
ausreichend genau, um nicht nur die o.g. günstigen Beobachtungsorte, sondern auch Wege im
Gebiet zu finden.
Das Fernglas
Jedes Glas ist besser als keines. Für größere Entfernungen wie bei Bodden und See ist eine
Vergrößerung von 10x zu empfehlen, besser noch zusätzlich ein Spectiv (einäugiges Fernrohr)
mit wenigstens 20facher Vergrößerung (20x60) und Stativ.
Das Buch
„Taschenführer Vögel“, „Vogelführer“ gibt es zahlreich. Das Buch sollte zwei Mindestanforderungen
erfüllen. Erstens sollte es alle Arten (außer Seltenheiten) enthalten, die sich sommers
und/oder winters im Gebiet aufhalten. Zweitens sollte es gute Farbabbildungen bzw. Fotos
enthalten, die die Weibchen und die Männchen im Prachtkleid (Herbst bis Spätfrühjahr)
und im Schlichtkleid (Frühsommer bis zum Teil Spätherbst) darstellen.
Ein Tipp zum Schluss
Egal, wie Sie ausgerüstet sind – vergessen Sie nie:
So wie „nachts alle Katzen grau“ sind, sind tags alle Vögel, selbst die buntesten, im Gegenlicht
grau. Noch immer strahlt die Sonne – wenn überhaupt! – vormittags aus Ost, mittags aus
Süd und nachmittags aus West. Wenn man eine gute Karte hat, kann man schlussfolgern, welches
Ziel man am besten zu welcher Tageszeit aufsucht und wie man am besten läuft.
Viel Beobachtungsglück!
Vogelbeobachtungsorte auf Rügen
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"Tipps für Beobachter" |
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