2. Rügenanbindung und ihre Folgen
Alleentod durch die B 96n!
Am 29. März
2005 fand auf Rügen eine Alleen-Aktion statt, gemeinsam
organisiert und veranstaltet
von NABU und BUND, Bündnis 90/die Grünen, Grüne Jugend,
Initiativen und direkt oder indirekt betroffene BürgerInnen.
Mit Hilfe von weißen Kalkkreuzen an den von Fällung bedrohten
210 Alleebäumen soll öffentlichkeitswirksam auf die
gewaltige Landschaftszerstörung durch die 2. Rügenanbindung
hingewiesen werden.
Auf dem Foto kennzeichnet ein Aktivist
eine alte Rotbuche an der Landesstraße Samtens-Garz, an der
allein 72 zum Teil sehr alte Bäume für die geplante neue Bundesstraße B 96n
vernichtet werden sollen.
DIE AKTION
-klärt über die Ausmaße des bevorstehenden Eingriffs in die
Alleen und das Rügener Landschaftsbild auf,
- soll zum
Nachdenken anregen, ob das Vorhaben die angemessene Lösung der
Verkehrsprobleme bedeutet und wirft weiterhin die Frage auf,
ob nicht ein Ausbau der vorhandenen Straße sinnvoller wäre,
- ruft auf zu
einem behutsamen Umgang, sowohl mit dem Reichtum der Natur als
auch mit der Armut der öffentlichen Kassen und
- möchte die
Bewohner der Insel Rügen dazu ermutigen, an der Gestaltung
ihres Lebensraumes vorausschauend und selbstbewusst
mitzuwirken.
HINTERGRUND
Auf einem
Abschnitt von nur etwa 19 km soll von Altefähr bis Bergen eine
zusätzliche 15,5 m breite Straße mit drei Spuren und immerhin
16 Brücken und 16 betonierten Regenrückhaltebecken gebaut
werden. Nord und Süd würden auf der ganzen Strecke durch einen
beidseitigen, 2 Meter hohen „Wildschutzzaun“ getrennt.
Außer über
eine „Wildbrücke“ gäbe es für die Tiere keinen Austausch mehr.
Personen kämen nur noch über die Brücken auf die andere Seite.
Die 2-3 Meter hohen „Blendschutzwälle“ zwischen B 96 und B 96n
ab Samtens verhindern außerdem die Sicht auf die jeweils
andere Landschaftsseite.
An vier
Stellen (Altefähr, 2x Samtens, Bergen/Kubbelkow) sind riesige
Verkehrsknotenpunkte geplant. Der vor Bergen würde etwa 40 mal
so groß werden wie die jetzt vorhandene Kreuzung. Dort soll
die B96n als Hochstraße in etwas acht Metern Höhe über einen
Kreisel mit 60 Metern Durchmesser führen, dann weiter über die
Bahn samt Oberleitung in Richtung Südost-Rügen (nicht jedoch
Richtung Fährhafen Mukran!). Die Rampen dort und für andere
Brücken müssten bis zu 10 m aufgeschüttet werden. Mehr als 1,5
Mill. m³ Boden aus drei Erdentnahmestellen sollen für die
Bauwerke bewegt werden. Das entspricht der Länge eines
gefüllten Güterzuges von Hamburg nach München.
Äcker an der
Trasse sind schon großzügig als Bodenentnahmeflächen verplant.
210 Alleebäume sind zur Fällung vorgesehen, 72 alte Bäume
allein bei Samtens ( L30 nach Garz). 5 Wohnhäuser mit
Nebengebäuden sollen abgerissen, 13 ha Wald gerodet und 170 ha
Land überbaut werden. Damit und mit ca. 300 ha für z.T.
verfehlte Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen würden den Bauern an
der Trasse ganz erhebliche Flächen entzogen – bis hin zur
Existenzgefährdung. Wer sein Land nicht freiwillig hergibt,
wird enteignet. Ein Großteil des Ausgleichs für die gewaltigen
Eingriffe ist nicht einmal auf Rügen vorgesehen.
Rund 13.000
Kfz werden angeblich täglich mehr auf der Strecke erwartet. Wo
sie bleiben sollen, weiß keiner. Die alte B 96 soll nun doch
Landstraße werden, d. h. das nicht gerade reiche Land MV
müsste dann auch zusätzliche Straßen- und Brückenunterhaltung
bei Landesstraßen bezahlen. Für diese Straßen ist derzeit nur
etwa die Hälfte des Finanzbedarfs abgesichert. Auch Kreis und
Gemeinden müssten neue Straßenbaulasten übernehmen.
Und das
alles, um ohne ein schlüssiges Verkehrskonzept noch mehr
Verkehr noch schneller auf die Insel zu führen, wo er sich
dann statt in Stralsund in .......staut. Hinterher soll ein
Konzept kommen – vielleicht.
ALTERNATIVEN
Seit Jahren wirbt das FORUM RÜGEN-STRALSUND für eine
einfachere, umweltschonendere, um 2/3 billigere Lösung, die
den Bedürfnissen von Einwohnern und Gästen, betroffenen
Grundstücks- und Hauseigentümern, Trassenanwohnern und
abgehängten Kommunen mit ihren Unternehmen vollends
entspricht. Zur Verflüssigung des Verkehrs beinhaltet sie ab
Stralsund den Umbau aller stauerzeugenden Ampelkreuzungen in
Kreisverkehre, Über- bzw. Unterführungen, außerdem die
Ortsumgehung Rambin. In Samtens kann die stauende Kreuzung
durch eine Führung der Straße Gingst – Garz unter B 96 und
Bahnstrecke entschärft werden. Die Verbreiterung der B 96 um
je einen ca. 2 m breiten Randstreifen für Langsamfahrer inkl.
Radler ergänzt die Maßnahmen zur Verflüssigung des Verkehrs.
Ein stets
fließender Verkehr; einschließlich Wirtschaftsverkehr; würde
ermöglicht, die enormen Eingriffe in Landschaft und
Unternehmensstrukturen würden minimiert, Ortschaften nicht
abgekoppelt werden, auch die Alleebäume blieben stehen – alles
für etwa 1/3 der jetzt geplanten rund 200 Millionen €, etwa
100 Mill. davon für die neue Brücke über den Strelasund.
Für
Ausgleichsmaßnahmen gäbe es auf Rügen zahlreiche Betonflächen
und hässliche Ruinen ehemaliger Armee- und LPG-Standorte.
Ein
funktionierender Verkehrsverbund von Bus, Bahn und Schiff mit
kostengünstigen Angeboten wäre für die Verlagerung des
Verkehrs dringend notwendig, damit Gäste und Einwohner
freiwillig das Auto stehen lassen und so die Straßen
entlasten.
Wenn die Idee
vom fahrgeldfreien Busverkehr auf der Insel realisiert werden
würde, könnte der Öffentliche Personennahverkehr ausgebaut und
Arbeit in Verkehrsbetrieben geschaffen werden.
Anfragen
:
NABU Rügen
03838/ 20
9710,
NABU.ruegen@t-online.de
Fotos der Aktion
Diashow zum Download:

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Auch diese jungen Bäume sollen
weichen! |

Kreuzmaler nahe Samtens. |
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Alle diese Bäume sollen dran glauben! |
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Mit doppelter Kraft ... |

... und vielen Freunden! |
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"Kreuzweg 2005" seit Ostern auf
West-Rügen zu finden |
Achtung!
Die Alleebäume stehen bis heute noch (November 2006)!
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